Blockade des Endlagerbergwerks Gorleben

8same aktion vor der Endlagerbaustelle in Gorleben – ein Bericht

 Einige von uns waren bereits zur Demonstration und der Blockade am Samstag, den 28.04. ins Wendland gefahren – die anderen reisten am Montag, den 30.4. an. Der Montag stand dann ganz im Zeichen der gemeinsamen Vorbereitung auf unsere Aktion am nächsten Tag. Wir besprachen alle Fragen rund um die Blockade (persönliche Bedürfnisse und Grenzen, juristische Belange, Rahmenbedingungen vor Ort etc.) und übten mit einem Aktiven der Kampagne gorleben365 die konkrete Blockadesituation samt „Wegtragen-Lassen“ und Umgang mit der Polizei. Zur Vorbereitung gehörten ebenso verschiedene gemeinsame Meditationen, um durch bewußtes Innehalten immer wieder Raum zu schaffen, eine achtsame Haltung entwickeln zu können.

So wurde schon am Montag politische Aktion(svorbereitung) und Achtsamkeit miteinander verbunden. Diese Verknüpfung setzten wir am 1.Mai vor den Toren der Endlagerbaustelle fort: Morgens standen wir früh auf und alle, die wollten, trafen sich zur stillen Meditation. Dann fuhren wir zum Bergwerk, um uns ab 7.00 Uhr vor die 6 Tore zu setzen und zu blockieren. Ausgestattet waren wir mit unseren Transparenten, sowie Frühstück und Sitzgelegenheiten.

Es war ein wunderschöner Morgen, Nebel stieg über den Feldern auf, überall war das frische Grün der Birken, ein seltsamer Kontrast zu dem Gelände, das mehrfach umzäunt und mit Stacheldraht, hohen Mauern und Überwachungskameras gesichert war.

Jede Gruppe befestigte an ihrem Tor mitgebrachte Transparente und nutzte die Zeit der Blockade, um zu meditieren, zu frühstücken, sich zu unterhalten und kennenzulernen, zu schweigen usw. Es gesellten sich allmählich auch Wendländer_innen zu uns. Begleitet wurden wir am Morgen von einer Aktivistin der Kampagne gorleben365.Nach ca.3 Stunden vor den Toren kamen wir wieder zusammen – es war nichts geschehen. Später erfuhren wir, dass (wegen uns) zum ersten Mal der Wachwechsel an Feiertagen von 8:00 vorverlegt worden war! Also begannen wir auf der Straßengabelung vor Tor I und II mit unserem geplanten Programm und blockierten so die Zufahrt: Informationen eines Aktiven aus dem Wendland über Hintergründe des Standortes Gorleben, Vortrag zu Achtsamkeit und Politik, Meditation, und Austausch mit kreativen Elementen.

Als wir am Abend aufbrachen, um zu unserer gemeinsamen Unterkunft zu fahren, lag ein schöner, anstrengender, inspirierender Tag hinter uns – mit vielen achtsamen und unachtsamen Momenten. Denn dass es gar nicht so leicht ist, eine achtsame Haltung einzunehmen angesichts der „Festung Endlagerbaustelle“, der Polizist_innen und nicht zuletzt angesichts der verschiedenen Lebensstile, die in der Gruppe aufeinandertrafen, wurde schnell deutlich. Und doch gab es auch immer wieder Momente von Achtsamkeit, in denen es gelang, sich nicht in destruktiven Gedankenketten zu verlieren, andere Perspektiven zuzulassen oder einfach in Verbindung zu kommen mit der eigenen Entschlossenheit, Klarheit und einer Stärke, die gleichzeitig kraftvoll und sanft ist. Und auch zu erfahren, dass durch „Innehalten“ das „Aktivsein“ reicher werden und Achtsamkeit eine Kraft für Veränderung sein kann. Die vielen Momente, in denen politisches Handeln und Achtsamkeit an diesem Tag verschmolzen, weisen den Weg. „Wir können es zwar alle noch nicht, aber uns verbindet die Sehnsucht nach dem achtsamen Handeln“, resümiert ein_e Teilnehmer_in am Ende versöhnlich und motiviert, weiterzumachen.

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